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Armut und Globalisierung in Taiwan

01.01.2008

Für ein Land, das mehr von KMUs lebt als jedes andere in Asien (die Zahl wahrer taiwanischer Multinationaler kann man an einer Hand abzählen), ist die Meldung, dass 2007 bis zum Ende des dritten Quartals „eine Rekordzahl an Firmen zusperren musste: 40% mehr als im Vorjahr und fast 37'000 an der Zahl“ eine Hiobsbotschaft. Knapp 37'000 Firmen sind in diesem Zeitraum verschwunden, und traditionell schließen im vierten Quartal mehr als in allen anderen: es könnten 50'000 werden für das Gesamtjahr – ein Allzeitrekord. Von kreativer Zerstörung ist keine Rede: Neuanmeldungen im gleichen Zeitraum fielen um 12% auf 29'000. Das Wirtschaftsministerium gibt hohen Rohstoffpreisen die Schuld. Wir vermuten eher, es sind die Wehen der Globalisierung und haben auch andere Beweise für unsere Theorie.
Das Statistische Zentralamt Taiwans hat Zahlen für die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich festgelegt, und wie in jedem anderen dem Kapitalismus frönenden Land, wird diese immer breiter und tiefer. Breiter, weil immer mehr Menschen in eines der beiden Extreme fallen und sich die Mittelschicht aufzulösen scheint; tiefer, weil der Unterschied zwischen Arm und Reich immer größer wird. Obwohl von europäischen Verhältnissen keine Rede sein kann, war Taiwan bisher immer stolz darauf, eine weniger problematische Einkommensstruktur aufzuweisen als seine erfolgreichen Konkurrenten. Der Gini-Koeffizient der Weltbank platziert Taiwan mit 33,9 ins asiatische Mittelfeld, nach Hongkong (51,4), Singapur (48,1), China (46,9), Thailand (42), aber vor Neuseeland, Korea, Japan und Australien.
Diese seligen Zeiten sind vorbei. Globalisierung hat es geschafft, Taiwan voll im globalen Trend zu landen, mit all den damit verbundenen sozialen Übeln. Letztes Jahr lagen die Einkommen der reichsten Taiwaner (Jahreseinkommen über TWD 10 Mio.) aus Gehältern im Durchschnitt beim 100-fachen der Ärmsten (Jahreseinkommen weniger als TWD 370'000). Das ist zwar viel mehr als in Europa, aber weit unter amerikanischen Verhältnissen – der Hochburg der Ungleichheit. Für Taiwan ist es aber immer noch ein Allzeithoch, lag doch das Arm-Reich-Gefälle in den Neunziger Jahren immer um die 45. Ein genauerer Blick aber zeigt das wahre Gesicht – und den klaren Effekt der Globalisierung der Firmenstruktur: Einkommen aus Firmenbeteiligungen (Dividendenzahlungen in der Praxis) zum Beispiel liegen für die ärmsten Taiwaner (unter TWD 370000 Jahreseinkommen) bei TWD 23000 pro Jahr (vergessen Sie nicht, dass hier wirklich jeder Bürger Aktien besitzt). Die Reichsten haben hingegen über TWD 19 Mio. an Dividenden verdient (!). Das sind 836mal mehr, und ein absoluter Rekord, der vor Steuern sogar amerikanische Werte übertrifft.
Sollen doch die Reichen reicher werden, wenn es wenigstens auch den Armen besser geht, verteidigen die einen den eingeschlagenen Weg. Und da liegt die wirklich traurige Botschaft dieser Dezemberausgabe des Taiwanbriefs. In den letzten zehn Jahren ist das „verfügbare Einkommen“ der reichsten Taiwaner um 8,14% gestiegen und lag 2006 bei TWD 1,827,387. Das der Ärmsten im Land ist um 2,62% gefallen, auf TWD 304,274. Das sind knapp EUR 600 im Monat. Keine schöne Bilanz.
Quelle: Dr. M. Hiesböck, Außenhandelsstelle Taipei
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