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Standortverlagerung in die Slowakei aus steuerlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht

Die Steuerreform in der Slowakei mit einem Koerperschaftsteuersatz von nur 19% und einer flat tax Einkommensteuer von ebenfalls niedrigen19%, verbunden mit der Naehe zu Wien und den deutlich niedrigeren Lohnkosten laesst viele Unternehmen insbesondere auch Klein und Mittelbetrieben sowie Freiberufler an eine Verlagerung ihrer unternehmerischen Taetigkeiten in die Slowakei denken.

Wichtig ist in diesem Fall eine realistische Analyse der betriebswirtschaftlichen, persoenlichen und steuerlichen Moeglichkeiten. Dieser Artikel soll Ihnen bei dieser Analyse helfen.

1.steuerliche Rahmenbedingungen in der Slowakei

1.1.Steuerbemessungsgrundlage

Die Ermittlung der Steuerbemessungsgrundlage erfolgt in der Slowakei aehlich wie in Oesterreich. Im Folgenden einige relevante Bestimmungen:

-Abschreibungen sind in der Slowakei tendenziell schneller moeglich als in Oesterreich(z.b. Abschreibung auf Gebaeude incl solchen die Wohn oder Buerozwecken dienen in 20 Jahren, Abschreibung auf PKW in 4 Jahren)

-geringwertige Wirtschaftsgueter bis ca 750EURO koennen sofort im Jahr der Anschaffung voll abgeschrieben werden

-Finanzleasing beim Leasingnehmer zu bilanzieren, wobei in diesem Falle die Abschreibungsdauer auf 60 Prozent der normalen Dauer, mindestens jedoch drei Jahre verkuerzt werden kann

-Repraesentationsaufwendungen sind nicht abzugsfaehig

-Verlustvortragsregelung auch nach Neuerung stringenter als in Oesterreich(nur der jeweilig letzte Verlust vortragbar auf maximal 5 Jahre, kein Investitionszwang mehr)

-vom Kalenderjahr abweichendes Wirtschaftsjahr ab 2004 erstmals moeglich

1.2.Steuersaetze

bei den Steuersaetzen kam es zu einer erheblichen Reduzierung.

Koerperschaftsteuersatz: 19%

Einkommensteuersatz: 19% flat tax mit Steuerabsetzbetrag in Hoehe von ca 2000Euro pro Jahr

Auschuettungen und Dividenden unterliegen in der Slowakei keiner Abzugssteuer mehr

2.relevante wirtschaftliche Rahmenbedingungen in der Slowakei

2.1.Infrastruktur

Insbesondere die Hauptstadt Bratislava bietet mittlerweile eine gute Infrastruktur fuer den auslaendischen Investor. Die Verkehrsanbindung zu den EU-Beitrittslaendern Ungarn, Tschechien und Polen sowie auch nach Oesterreich und Deutschland ist zufriedenstellend. Die Naehe von Bratislava zum Flughafen Wien Schwechat sowie der Flughafen Bratislava selbst, der von low cost carriern anstelle von Wien-Schwechat angeflogen wird, ermoeglichen eine sehr gute Anbindung an den internationalen Flugverkehr.

2.2.Arbeitskraeftepool

insbesondere die Region Bratislava verfuegt ueber ein gut ausgebildetes Arbeitskraeftepotential, welches sich laufend durch Zuzug aus der Restslowakei vergroessert.Insbesondere auch Techniker und EDV Experten sind vorhanden

Arbeitskraefte, welche Deutsch und/oder Englisch sprechen stehen zur Verfuegung. Daneben ergibt sich als besonderer Vorteil einerseits die Tatsache, dass die slowakische Sprache als Esperanto der slawischen Sprachen gilt, und deshalb viele Slowaken neben Slowakisch auch andere slawische Sprachen(z.b.Tschechisch, Russisch, Kroatisch, Polnisch) beherrschen. Andererseits gibt es eine starke ungarische Minderheit. Aus diesen Gruenden sowie der Naehe zu Wien bietet sich Bratilsava als Brueckenkopf fuer die Erschliessung der neuen EU-Mitgliedstaaten geradezu an. Das Durchschnittseinkommen slowakischer Mitarbeiter liegt etwa bei 30-50% des vergleichbaren oesterreichischen Lohnniveaus, Expatriates Manager werden in der Regel eher besser entlohnt als vergleichbare Mitarbeiter in Oesterreich.

3.einige entscheidungsrelevante Bestimmungen des slowakisch-oesterreichischen Doppelbesteuerungsabkommens

3.1.Artikel 4 DBA (Ansaessigkeit)

bei der Ermittlung des steuerlichen Wohnsitzes von natuerlichen Personen kommt laut oesterreichischer Ansicht bei der Loesung von Ansaessigkeitskonflikten den persoenlichen Beziehungen(Familie,..) mehr Bedeutung zu als den wirtschaftlichen Beziehungen. Eine Verlagerung des steuerlichen Wohnsitzes setzt daher in der Regel de facto den Umzug der ganzen Familie unter Aufgabe des bisherigen Hauptwohnsitzes voraus.

Der steuerliche Sitz von juristischen Personen ist in der Regel der Ort der tatsaechlichen Gechaeftsleitung.

Praktische Aspekte:

Um steuerliche Probleme zu vermeiden ist es deshalb unter anderem erforderlich, dass alle relevanten Geschaeftsfuehrungsentscheidungen einer slowakischen juristischen Person tatsaechlich in der Slowakei durch die Geschaeftsfuehrer getroffen werden, dies bedeutet, dass entweder ein lokaler Geschaeftsfuehrer mit tatsaechlicher Entscheidungskompetenz eingesetzt wird, und/oder, dass sich der oesterreichische Geschaeftsfuehrer regelmaessig vor Ort zur Vornahme der Geschaeftsfuehrungshandlungen aufhaelt. Ansonsten, etwa im Falle einer sogenannten Ferngeschaeftsfuehrung aus Oesterreich, koennte es zu einer Besteuerungskonkurrenz zwischen der Slowakei und Oesterreich kommen.

3.2.Artikel 7 DBA (Unternehmensgewinne)

das Besteuerungsrecht des anderen Staates setzt inter alia das Vorliegen einer Betriebstaette in diesem anderen Staat voraus.

Dies hat folgende praktische Konsequenzen fuer den oesterreichischen Investor in der Slowakei:

Fall 1: oesterreichischer Einzelunternehmer oder Personengesellschaft verlagert einen (Teil)betrieb in die Slowakei:

nur jener Teil der Gewinne, der dieser Betriebstaette zugeordnet werden kann, wird in der Slowakei der Besteuerung unterzogen, wobei eine steuerliche Betriebstaette in der Regel eine feste Einrichtung voraussetzt.

Betreffend der Zurechnung der Gewinne zu der Betriebstaette gibt es umfangreiche Lehrmeinungen, weshalb an dieser Stelle nicht naeher darauf eingegangen werden soll.

Diese der Betriebstaette zugerechneten Gewinne werden in Oesterreich grundsaetzlich unter Progressionsvorbehalt steuerfreigestellt.

Entscheidend fuer eine Optimierung des Steuereffekts ist folglich die Maximierung der ausgelagerten Unternehmensfunktionen in die Slowakei.

Fall 2:oesterreichischer Unternehmer gruendet sro(vergleichbar der oesterreichischen GesmbH) in der Slowakei:

Soferne der Ort der tatsaechlichen Geschaeftsleitung in der Slowakei liegt(s.o.) ist diese sro grundsaetzlich in der Slowakei unbeschraenkt steuerpflichtig. Soferne diese slowakische sro aber Taetigkeiten in Oesterreich entfaltet, koennte ein Besteuerungsrecht der Republik Oesterreich auf diese Taetigkeiten aufleben wenn etwa eine oesterreichische Betriebstaette dieser slowakischen sro vorliegt.

Eine solche Betriebstaette koennte sich unter anderem auch aus einer sogenannten Vertreterbetriebstaette in Oesterreich(faktische Abschlussvollmacht genuegt in der Regel) oder aber auch aus einem sogenannten Geschaeftsfuehrerbuero in Oesterreich ergeben(oesterreichischer Geschaeftsfuehrer einer slowakischen sro unterhaelt ein zweites Buero in Oestrreich, von welchem er auch fuer die slowakische sro taetig wird).

In solchen Faellen gilt das zu Fall 1 gesagte mit umgekehrten Vorzeichen, d.h. der oesterreichischen Betriebstaette der slowakischen sro werden Gewinne zugerechnet, die dann in Oesterreich der Besteuerung(in diesem Fall der Koerperschaftsteuer von 34%) unterliegen.

Insbesondere fuer den Fall der geplanten Marktbearbeitung des oesterreichischen Marktes durch eine slowakische Gesellschaft durch slowakische Mitarbeiter sei neben dem Problem des moeglichen Entstehens einer Vertreterbetriebstaette in Oesterreich auch auf moegliche arbeitstrechtliche Probleme waehrend der Uebergangsfrist von vorerst drei Jahren hingewiesen.

3.3.Artikel 10 DBA (Dividenden)

Artikel 10 DBA weist das Besteuerungsrecht fuer Dividenden grundsaetzlich dem Ansaessigkeitsstaat zu, wobei dem Quellenstaat ein maximal 10%iges Quellensteuerrecht zugebilligt wird.

praktische Konsequenzen

Da mit der Steuerreform in der Slowakei die Quellensteuer auf Dividenden beseitigt wurde, kommt es zu keiner Quelllenbesteuerung in der Slowakei

In Oesterreich erfolgt grundsaetzlich eine Dividendenbesteuerung auf Ausschuettungen einer slowakischen juristischen Person an oesterreichisch ansaessige Empfaenger im Ausmass von 25%(seit der Angleichung inlaendischer und auslaendischer Kapitalertraege durch das Budgetbegleitgesetz 2003). Damit wuerde bei Ausschuettungen ein Teil des Steuervorteils des Standortes Slowakei wieder verlorengehen.

Soferne aber eine qualifizierte Auslandsbeteiligung einer oesterreichischen Koerperschaft vorliegt( seit den Aenderungen der oesterreichischen Rechtslage grundsaetzlich mindestens 10% Beteiligung direkt oder indirekt, mindestens ein Jahr Behaltefrist, keine Optionsausuebung auf Steuerwirksamkeit) faellt innerhalb der oesterreichischen Koerpereschaft keine Koerperschaft- oder Kapitalertragsteuer auf diese Ausschuettungen/Dividenden aus einer qualifizierten Auslandsbeteiligung an.

3.4.Artikel 14 DBA (selbstaendige Arbeit)

Unter diesen Artikel fallen etwa die Taetigkeiten der Rechtsanwaelte, Steuerberater, Architekten, Ingenieure, Aerzte.

Das Besteuerungsrecht des anderen Staates setzt das Vorliegen einer festen Einrichtung in diesem Staat voraus. Laut oesterreichischer Ansicht ist unter einer solchen festen Einrichtung unter anderm eine Einrichtung von Dauer zu verstehen

Einen in diesem Zusammenhang relevanten Sonderfall stellen die Einkuenfte eines wesentlich beteiligten Gesellschaftergeschaeftsfuehrers dar. Laut derzeit in Oesterreich durch die Finanzverwaltung herrschender Meinung sind auf diese Bezuege die Zuteilungsregeln fuer selbstaendige Arbeitn anwendbar, soferne mit dem betreffenden Staat keine anderslautenden Verstaendigungsvereinbarung getroffen wurde. Eine solche Verinbarung wurde nach unserem Wissenstand bis dato mit der Slowakei nicht getroffen.

Praktische Auswirkungen:

Um einer potentziellen Besteuerungskonkurrenz zwischen Oesterreich und der Slowakei, die eine andere Meinung betreffend der anzuwendenden Zuteilungsregel vertreten koennte, vorzubeugen, sollte in solchen Faellen dem oesterreichischem Gesellschaftergeschaeftsfuehrer einer slowakischen sro unter anderem stets eine feste Einrichtung in der Slowakei(sogenanntes Geschaeftsfuehrerbuero) zur Verfuegung stehen. Im Gegensatz dazu genuegt beim nicht wesentlich beteiligtem Geschaeftsfuehrer ein Taetigwerden in der Slowakei, um eine dortige Besteuerung in der Regel auszuloesen(siehe unten)

Weiters ist zu beachten, dass nur jene Bezugsteile in der Slowakei zur Versteuerung gelangen, die

diesem Geschaeftsfuehrerbuero zugeordnet werden koennen. Sollte der in Oesterreich steuerlich ansaessige Geschaeftsfuehrer also etwa auch in Oesterreich oder in Drittstaaten taetig werden, verbleibt das Besteuerungsrecht fuer diese Bezuege grundsaetzlich in Oesterreich. Die zur festen Einrichtung in der Slowakei zuzurechnenden Einkuenfte werden in Oesterreich unter Progressionsvorbehalt steuerfrei gestellt

3.5.Artikel 15 DBA (unselbstaendige Arbeit)

Die Zuteilungsregel fuer derartige Einkuenfte erfolgt grundsaetzlich nach dem Taetigkeitsprinzip

Praktische Auswirkungen:

Ein fuer eine slowakische Gesellschaft in der Slowakei taetiger in Oesterreich ansaessiger Arbeitnehmer ist mit seinen Gehaltseinkuenften grundsaetzlich in der Slowakei steuerpflichtig, soferne sie fuer eine Taetigkeit in der Slowakei bezogen werden(Ausnahme z.b.qualifiziert beteiligter Gesellschaftergeschaeftsfuehrer, s.o.)

Insoweit dieser Arbeitnehmer allerdings fuer seinen slowakischen Arbeitgeber in Oesterreich oder in einem Drittstaat taetig wird, ergibt sich ein Besteuerungsrecht auf diese Bezuege in Oesterreich.

4.Durchfuehrung einer individuellen Analyse ueber die Sinnhaftigkeit einer Standortverlagerung in die Slowakei

Abgesehen davon, dass eine Standortverlagerung nicht rein steuerlich motiviert sein kann, ist auch aus steuerlicher Sicht eine Standortverlagerung grundsaetzlich nur bei tatsaechlicher Taetigkeit in der Slowakei, Begruendung einer Betriebstaette oder einer festen Einrichtung in der Slowakei sinnhaft.

Deshalb ist die jeweilige individuelle Situation unter anderem anhand folgender Kriterien zu durchleuchten:

-persoenliche Mobilitaet des Unternehmers

-Rolle des Unternehmers

-Mobilitaet entscheidendender Mitarbeiter

-Standortbezug/Oesterreichbezug bestimmter Unternehmensfunktionen

-Synergien mit bestehenden Expansions- oder Rationalisierungsplaenen

4.1.persoenliche Mobilitaet des Unternehmers

Hierunter ist einerseits die Moeglichkeit einer Verlegung des steuerlichen Wohnsitzes anderseits aber auch(wahrscheinlich der haeufigere Fall) die Verlegung des Headquarters oder zumindest wichtiger Unternehmensfunktionen in die Slowakei zu verstehen. Um in den Genuss der attraktiven Steuersaetze unseres Nachbarlandes zu kommen wird es naemlich grundsaeztlich bei Klein und Mittelbetrieben unumgaenglich sein, dass der Unternehmer einen Teil seiner Arbeitszeit auf dem Gebiet der Slowakei verbringt.

4.2.Rolle des Unternehmers fuer das Unternehmen

grundsaetzlich gilt: je mehr Funktionen der Unternehmer selbst wahrnimmt, umso effektiver und einfacher ist eine Standortverlagerung aus steuerlicher Sicht. Idealfall: ein Einmannunternehmen oder aber auch die Situation, dass neben dem Unternehmer nur problemlos durch lokale Arbeitnehmer ersetzbare Mitarbeiter taetig sind

4.3.Mobilitaet entscheidender Mitarbeiter

auch wenn sich die Rolle des Unternehmers in Grenzen haelt, kann eine Standortverlagerung effektiv sein, wenn entscheidende Mitarbeiter mitziehen wollen, welche ja auch ihrerseits in den Genuss steuerlicher Vorteile kommen koennten

4.4.Standortbezug entscheidender Unternehmensfunktionen

negativ in punkto Effektivitaet einer Standortverlagerung koennen unter anderem folgende Faktoren wirken:

-hoher Wertschoepfungsanteil der Produktion in Oesterreich, wobei eine Auslagerung der Produktion nicht in Betracht kommt

-hoher Wertschoepfungsanteil des Aussendienstes in Oesterreich(Vertreterbetriebstaetten)

positiv hingegen koennen wirken:

-hoher Wertschoepfungsanteil der Planungs und Organisationstaetigeit

-hoher Anteil an Kommunikation ueber Internet, Fax, Telefon

-Internet Shop

4.5.Synergien mit bestehenden Expansions- oder Rationalisierungsplaenen

Soferne das Unternehmen ohnehin eine Expansion in die neuen EU-Mitgliedstaaten plant, koennte eine Buendelung dieser Aktivitaeten in der Slowakei zu erheblichen zusaetzlichen Steuersynergien fuehren.

Aehnliches gilt fuer Kostenrationalisierungsueberlegungen: die Naehe des Niedrigkosten- und Niedrigsteuerlandes Slowakei zu Ostoesterreich, die Naehe der beiden Hauptstaedte Wien und Bratislava zueinander koennte insbesondere oesterreichischen exportorientierten Klein und Mittelbetrieben einen einzigartigen Wettbewerbsvorteil gegenueber aehnlichen Mitbewerbern aus weiter westlich oder suedwestlich gelegenen EU-Staaten verschaffen, die eine solche Opportunitaet vor der Haustuere nicht haben.

Erschienen in der Fachzeitschrift SWI - Steuer und Wirtschaft International Ausgabe 3/2004
(c) Epsilon Finance Group

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