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Taiwan und Biotechnologie: noch ein Anlauf

31.10.2007

Nachdem Taiwan bis heute nicht als Biotechnologie-Riese bekannt ist (und auch die Nachbarn wie Korea eher von Skandalen als Nobelpreisen heimgesucht werden), stellt sich die Frage: was ist schief gelaufen? Unsere Analyse: Nichts ist schief gelaufen, aber die Erwartungen sind auf den Boden der Realität zurückgekehrt. Zum einen basiert Erfolg in der Biotechnologie natürlich auf erstklassiger wissenschaftlicher Arbeit, und die findet heutzutage vor allem in den Pharma-Riesen der Welt statt, und das sind US-amerikanische und europäische Firmen. Taiwans Forscher von Weltrang arbeiten alle für Universitäten, Krankenhäuser, oder die Academia Sinica – nicht für kommerziell orientierte Privatfirmen. Qualifizierte Forscher gibt es genug in Taiwan, aber Forschung im Biotechnologie-Bereich kann Jahrzehnte dauern und in viele Sackgassen führen: vollkommen ungeeignet für die VC-Heuschrecken mit ihrem Kurzzeithorizont. Dazu braucht es Langzeitzusagen von Banken, Regierungen und eben der Pharmaindustrie. Zum Dritten liegen Taiwans Stärken in der Herstellung, der Prozessoptimierung, dem „Cost Down“ – Stärken, die beim Erzeugen von Tabletten nicht gerade ins Gewicht fallen. Anders als in München oder Massachusetts, sind Taiwans Firmenbosse „praktische Handwerker“, keine Doktoren und Professoren. Unüberwindbar vielleicht die konfuzianische Barriere zwischen „shang“ – dem niederen Händler - und „xue“ - dem gelehrten Weisen, der sich auf keinen Fall als Marktschreier die Hände schmutzig macht. Eine Tradition, die auch in Europa erst langsam überwunden wird, und in ihrer Überwindung zum Motor der Innovation wird.
Wie dem auch sei – Biotechnologie ist nicht tot in Taiwan. Medizinische Geräte und Pharmazeutik machen den Großteil des Umsatzes aus, und bei den zukünftigen Arbeitsfeldern gedeihen vor allem drei Bereiche: Diabetes-Forschung, Krebsforschung, und Biotechnologie in der Landwirtschaft („Agro-Bio“). Im Kommen auch der Biochip, vor allem Diagnosechips, die vom Produktionsstandpunkt her gesehen eher in den Bereich der etablierten IC-Produktion fallen als in die Medizintechnik.

Die Regierung nimmt nun einen weiteren Anlauf und konzentriert sich dabei auf Biotechnologie in der Landwirtschaft - oder Agro-Bio, wie das auf Neudeutsch heißt. Das Landwirtschaftsministerium hat EUR ½ Mrd. versprochen und will damit fünf Agro Science Parks einrichten. Warum gerade fünf, und wo die liegen sollen, sind wie immer politische und bisweilen fragwürdige Entscheidungen. Einer davon in Pingtung – Taiwans Hochburg für Forschung in der Landwirtschaft- soll schon nächstes Jahr eröffnet werden und direkt dem Landwirtschaftsministerium unterstehen. Die anderen vier gehören Lokalbehörden und spezialisieren sich auf einzelne – wie immer in Taiwan erstaunlich pragmatische - Forschungsschwerpunkte: ein Blumenpark in Changhua (Pflanzengenetik mit Fokus Schnittblumenproduktion), ein Orchideenpark in Tainan (Sie haben es erraten: Orchideenproduktion – Taiwan ist bereits einer der wichtigsten Orchideenexporteure weltweit), ein Park für medizinale Pflanzen und Kräuter in Chiayi (mit viel Grundlagenforschung) und ein Marine Biotech-Park in Ilan (Fokus Meerespflanzen wie Wirkstoffe aus Algen)- allesamt Ortschaften, die von Taiwans traditionell erfolgreichen Industriezweigen etwas vernachlässigt wurden.


Geleitet werden die Forschungsanstrengungen in diesen Parks vom Biotechnology Industry Study Center unter dem Taiwan Institute of Economic Research, welches davon ausgeht, dass aus den EUR 1 Mrd. an Agrobio-Exporten im Jahr 2006 in vier Jahren EUR 2 Mrd. werden sollen. Nicht gerade überragend, wenn man von Schätzungen von EUR 400 Mrd. weltweit für 2012 ausgeht, aber doch zumindest ein Anfang.

Schön auf jeden Fall, dass man sich auf die Nischen Pflanzengenetik und Kräuterzüchtung konzentriert und darauf verzichtet, mit China in den „Quälerei-Wettbewerb“ zu treten. Bei unseren großen Nachbarn boomen Bio und Pharma nämlich vor allem aufgrund fehlender Gesetzgebung und staatlicher Kontrolle von Tierexperimenten.
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